POESIE DES EICHELHÄHERS
Die Serie POESIE DES EICHELHÄHERS beruht zum Teil auf ihrer Vorgeschichte: Im Jahr 2021 spülten Hochwasser, Wind und Wellen einen verrottenden Baumstamm am meinen Ferienstandort am Vierwaldstättersee. Ich fotografierte und zerlegt den Baumstamm mit zunehmender Begeisterung für die immer wieder neuen, kleinen Wunder der Biologie, die ich in ihm entdeckte. Nach drei Jahren hatte ich genügend Bildmaterial gewonnen, um zusammen mit der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL das Buch «POESIE DES VERGEHENS – Vom vielseitigen Leben in einer toten Fichte» zu verfassen (Haupt Verlag, Bern, 2024). In der Folge schrieb ich das illustrierte Märchen «Das Leben der verblichenen Fichte – wie es sich vielleicht zugetragen hat» (Eigenverlag, Urdorf, 2024).
Kaum waren die Bücher veröffentlicht, legte mir das Schicksal - auch wiederum rein zufällig - den Leichnam eines Eichelhähers direkt vor die Füsse. Auch dieses Beispiel der Schönheit und Genialität der Natur analysierte ich mit der Kamera Schicht um Schicht und fand darin Inspirationen für gleich vier Serien, POESIE DES EICHELHÄHERS, TANZ DER FEDERN, FEDERPLANETEN und KÜNSTLICHE PHANTASIE.
Für POESIE DES EICHELHÄHERS habe ich extreme Close-ups gemacht ohne Orientierungshilfe, welchen Teil des Gefieders man sieht, ohne Tiefenwirkung und ohne Bildmittelpunkt. Damit habe ich die Bilder von der Vorlage abstrahiert, so dass sie wirken wie Ikonen, Symbole oder wiederholende Muster. Der Fokus des Betrachters fällt darum auf die reinen Farben und Formen, die sich oft wiederholen, sowie auf die Feinstruktur der Federn. So wird die in der Natur häufig vorkommende widersprüchliche Balance der unregelmässigen Regelmässigkeit sichtbar, und die hat mich schon immer fasziniert.



