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KÜNSTLICHE PHANTASIE

Die Serie KÜNSTLICHE PHANTASIE ist ein Flirt mit der Künstlichen Intelligenz. Das Resultat ist ein doppeltes Novum für mich als ausstellender Künstler, erstens, da ich zum ersten Mal Bilder präsentiere, die ich nicht ganz selbst gemacht habe, sondern teilweise von KI habe machen lassen, und zweitens, weil ich mich zum ersten Mal auf das Territorium der abstrakten Kunst bewege und mich dort – zu meiner eigenen Überraschung – sogar sehr wohl fühle. 
 

Und das ging so: Ich suchte geeignetes Bildmaterial in meinem Archiv zusammen (vgl. unten), gab winzige, vielversprechende Ausschnitte aus diesem einer KI-gestützten Software und stellte dieser die unmöglich lösbare Aufgabe, riesen-grosse, hochauflösende, detailreiche und perfekt fokussierte Bilder daraus zu machen. Damit zwang ich die Software, die fehlenden Details aus dem Kontext zu erraten oder schlicht und einfach zu erfinden. Das tat sie, und wie!. Die KI erzeugte während teilweise stundenlanger Rechenläufe eine enorme Menge visuellen Rohmaterials.

 

Ich durchsuchte die Bilderfluten wie ein Goldgräber auf der Suche nach seltenen Fundstücken: nach Halluzinationen, Phantasieprodukten, Verdichtungen, inspirierenden Strukturen, farblichen oder strukturellen Grenzen und Übergängen, fremdartigen Materialien. Die Fundstücke extrahierte ich und bearbeitete sie weiter, bis aus einigen von ihnen Bilder entstanden, die ich gut und gelungen finde, und die ich als meine eigenen empfinde.

 

In gewisser Weise unterscheidet sich dieser Prozess weniger von klassischer Fotografie, als es zunächst scheinen mag. Auch Fotografen bewegen sich suchend durch einen Raum voller Möglichkeiten. Früher ging ich mit der Kamera durch Wälder, Landschaften oder über Seen und wartete auf einen Augenblick, in dem sich Licht, Farben und Formen verdichteten und eine Bedeutung annahmen. Hier bewegte ich mich erstmals durch eine andere Art von Landschaft: einen von künstlicher Intelligenz erzeugten Bilderraum, dessen Möglichkeiten allerdings bereits durch meine Auswahl der Ausgangsfragmente mitgeprägt waren.

 

Ich halte die Auseinandersetzung mit KI in der Kunst für unvermeidlich. Diese Technologien werden Teil unserer kulturellen Wirklichkeit werden — nicht irgendwann, sondern jetzt. Darin liegen Risiken, Missverständnisse und offene Fragen, aber auch neue künstlerische Möglichkeiten. Mich interessiert dabei weder blinde Technikbegeisterung noch reflexhafte Ablehnung. Ich verstehe diese Werkreihe vielmehr als Erkundung eines neuen Territoriums.

Dieser Beitrag zeigt deutlich auf, dass eine KI kreativ und phantasievoll arbeiten kann, und dass man diese Fähigkeit in ein künstlerisches Konzept einspannen kann, so dass etwas Fantastisches daraus entstehen kann. Viele weitere Szenarien im Verhältnis von KI und Künstlern bleiben natürlich möglich, und darunter sind auch einige, die Angst machen. Wir werden sehen.

Ausgangsmat KPH.jpg
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